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Finanztest bemängelt die Abzocke der Banken durch hohe Zinsen beim Dispokredit

Die Höhe der Zinsen für den Dispositionskredit bzw. besser bekannt als Dispokredit, stand in den letzten Monaten mehrfach im Fokus der Berichterstattung. Die von Verbraucherschützern zum Teil gewünschte gesetzliche Beschränkung der Zinshöhe für den Verfügungskredit wird von der Politik weiterhin abgelehnt. Stattdessen müssen Geldinstitute ihren Kunden künftig aktiv ein günstigeres Kreditangebot unterbreiten, wenn diese einen Großteil des eingeräumten Limits über einen längeren Zeitraum in Anspruch genommen haben.

Auch das Magazin „Finanztest“ kritisiert die hohen Dispozinsen der Banken

Die bekannte und angesehene Zeitschrift „Finanztest“ hat die aktuellen Zinsen für Dispositionskredite betrachtet. Dabei zeigte sich, dass mehr als zwanzig Prozent aller Geldinstitute den Zinssatz innerhalb des letzten Vierteljahres um einen Prozentpunkt gesenkt hatten. Dennoch verlangen einzelne Banken einen Zinssatz von mehr als vierzehn Prozent. Üblich ist weiterhin die Verzinsung des erlaubten Negativsaldos mit mindestens zehn Prozent, nur eine einzige Bank zeigt sich mit einem Zinssatz von 4,9 Prozent ausgesprochen kundenfreundlich. Da Geldinstitute für die Bargeldbeschaffung bei der EZB seit langem so gut wie keine Zinsen mehr zahlen, ist der hohe Zinssatz für den Dispositionskredit aus Sicht der Verbraucherschützer kaum nachvollziehbar. Das Ausfallrisiko ist bei einem Verfügungsdarlehen auf dem Girokonto kaum höher als bei einem günstigeren Ratenkredit. Schließlich verringert sich der Schuldenstand bei jedem Zahlungseingang, zudem kann die Bank die Höhe des Dispositionskredites relativ leicht verändern, wenn sich die Einkünfte des Kontoinhabers verringern.

Noch ärgerlicher als die Berechnung überhöhter Zinssätze für die Verwendung des Verfügungsrahmens ist, dass viele Banken weiterhin ihre Zinssätze weder auf dem Preisaushang in den Filialen angeben noch diese im Internet veröffentlichen. Damit lässt sich die Höhe des Dispositionskredites nur begrenzt als Kriterium bei der Entscheidung für die Kontoeröffnung verwenden. Wünschenswert ist die Pflicht zur Angabe der Dispozinsen im Preisaushang sowie auf der Webseite der Bank. Dass nicht genehmigte Kontoüberziehungen teurer als die Nutzung des abgesprochenen Verfügungsrahmens sind, trifft nicht auf alle Kreditinstitute zu.

Klares Statement im Finanztest: „Viele Banken und Sparkassen in Deutsch­land sind Abzo­cker.“

Neu: Verbesserte Girokonten ermöglichen niedrige Dispozinsen

Eine leicht wachsende Anzahl von ihnen differenziert nicht mehr zwischen beiden Kredittatbeständen. Dafür haben die ersten Banken eine neue Möglichkeit der Entgelterhebung entdeckt. Sie bieten neben dem normalen, oft kostenlosen Girokonto ein Premium-Konto mit Zusatzleistungen an, zu denen auch verringerte Zinsen für den Dispositionskredit gehören. Wer diesen nicht regelmäßig vollständig ausnutzt, bezahlt aufgrund der hohen Kontoführungsgebühren für das Sonderkonto jedoch mehr Geld als zuvor an die Bank. Grundsätzlich besteht auch die Möglichkeit, mit dem Geldinstitut einen persönlichen Zinssatz für den Dispositionskredit auszuhandeln, auch wenn die meisten Banken das entsprechende Ansinnen zunächst ablehnen werden. Mehrfaches Nachfragen kann durchaus zum Erfolg führen.

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Beim Dispositionskredit sparen

Der Dispositionskredit ist bequem und flexibel, sodass viele Bankkunden ihn über einen langen Zeitraum in Anspruch nehmen statt sich um einen Ratenkredit zu bemühen. Eine der häufigsten Gründe, aus denen Banken die Kritik an überhöhten Zinsen für den Dispokredit zurückweisen, lautet erwartungsgemäß, dass dieser Kredit nicht für die langfristige Finanzierung, sondern lediglich für die Überbrückung eines kurzzeitigen Geldbedarfs gedacht ist. Diese Aussage ist nicht verkehrt, allerdings begrenzt keine große Bank die mögliche Nutzungsdauer eines Dispositionskredites, sodass Bankkunden aus Bequemlichkeit immer häufiger den Verfügungsrahmen anstelle eines Anschaffungsdarlehens nutzen.

Zinsen Abzocke beim Dispokredit bzw. Dispositionskredit Würden die Banken ihre Aussage, dass der Dispokredit nur für kurzzeitige Finanzierungen gedacht ist, vollkommen ernst nehmen, müssten sie konsequenterweise den regelmäßigen Kontoausgleich nach maximal drei bis sechs Monaten verlangen. Eine entsprechende Vorschrift existierte tatsächlich während der 1990er Jahre kurzzeitig bei der Postbank. Sie wurde bald aufgegeben, da die Bankkunden einen echten Dispositionskredit wünschten. Dass ein Großteil der Kontoinhaber den Dispokredit nicht nur für wenige Tage, sondern auch als einfache Variante eines Anschaffungsdarlehens nutzt, ist für die Banken leicht nachvollziehbar. Letztendlich fällt bei der wiederholten Ausnutzung eines einmal eingeräumten Limits kein zusätzlicher Bearbeitungsaufwand an, während jeder Ratenkreditantrag erneut geprüft werden muss.

Auch auf Grund des geringen Aufwandes für die Bank sind die derzeit hohen Zinsen für einen Dispositionskredit nicht gerechtfertigt. Der Bankkunde wehrt sich am besten gegen diese, indem er den Verfügungsrahmen auf dem Girokonto tatsächlich nur für wenige Tage nutzt, während er bei notwendigen Finanzierungen konsequent Ratenkredite aufnimmt. Zur Selbstdisziplinierung ist es sinnvoll, das Verfügungslimit des Girokontos auf etwa fünfhundert Euro herabsetzen zu lassen. Ein reines Guthabenkonto ist volljährigen Kontoinhabern mit guter Bonität hingegen nicht zu empfehlen, damit sie bei unerwarteten Ausgaben liquide bleiben.

Finanztest Ausgabe 09/2013 – Quelle und Zitat: Stiftung Warentest – test.de

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