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Fluch oder Segen? Die Sparkasse vergibt faule und teure Kredite

Faule Kredite: Notwendiges Übel oder interessanter Steuertrick?

Faule Kredite sind gefährlich: Sie bringen die Banken in eine wirtschaftliche Schieflage, sie sind ein Risiko für den Steuerzahler, und sie sind ein Zeichen für die Raffgier der Banker. Das zumindest ist die vorherrschende Meinung in den Medien, wenn man die aktuelle Berichterstattung verfolgt. Bei genauerem Hinsehen sieht die Lage etwas anders aus. Notleidende Kredite können ein Kreditinstitut durchaus in finanzielle Schwierigkeiten bringen, wenn sie nicht zurückgezahlt werden. Eine hohe Anzahl an „faulen“ Krediten steht aber nicht automatisch für eine leichtfertige Kreditvergabe durch die Bankberater. Wie immer kommt es auf die Betrachtung des Einzelfalls an, wie eine neue Analyse des Recherchezentrums Correctiv.org im Auftrag der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) belegt.

Ein reiches Bundesland mit schwarzen Schafen

Das Risikoverhalten der deutschen Sparkassen stand bei einer Analyse der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Vordergrund, die vor einigen Monaten veröffentlicht wurde. Sie brachte überraschende Ergebnisse. Der große Teil der deutschen Sparkassen weist nur einen überschaubaren Anteil an faulen Krediten aus. Im Jahr 2014 waren im Durchschnitt 1,62 Prozent der Kredite notleidend. Der durchschnittliche Wert der deutschen Banken betrug 2,34 Prozent, damit lagen die Sparkassen deutlich unter dem Schnitt. Ausgerechnet bei den beiden reichsten Bundesländern zeigte sich aber eine erstaunliche Lücke. In Bayern war die Quote der Sparkassen außerordentlich gut, dort bestand bei 0,68 Prozent der Kredite die Gefahr des Platzens. In Baden-Württemberg lag der Anteil dagegen bei 2,34 Prozent.

Damit nimmt das wirtschaftlich gut aufgestellte Bundesland eine negative Spitzenposition unter den Sparkassen ein. In die Analyse wurden alle 409 Sparkassen in Deutschland einbezogen. Ein hoher Anteil an faulen Krediten ist eigentlich ein Anzeichen dafür, dass die Bank ein hohes Risiko eingeht, wenn sie Kredite vergibt. Eine Finanzierung gilt als „faul“, wenn sich der Schuldner bei über 90 aufeinanderfolgenden Tagen nicht an seine Verpflichtungen hält und beispielsweise Raten nicht wie vereinbart zurückzahlt. Im Test stammten unter den zehn Sparkassen mit einer hohen Quote an notleidenden Krediten – der sogenannten NPL-Quote – aus Baden-Württemberg. Doch was besagt die NPL-Quote genau?

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Faule Kredite bergen Risiken und Vorteile

Einerseits könnte eine hohe NPL-Quote auf eine riskante Kreditvergabe der Banken schließen lassen. Die Sparkasse würde dann auch an Kunden Finanzierungen vergeben, die eigentlich nicht die erforderliche Bonität aufweisen. Diese Interpretation steht in der Regel im Vordergrund, wenn von faulen Krediten die Rede ist. Vielen Verbrauchern ist noch die Finanz- und Bankenkrise aus den Jahren 2008 und 2009 in Erinnerung. Zum damaligen Zeitpunkt gerieten selbst etablierte Großbanken aufgrund ihrer großzügigen Kreditvergabe in eine wirtschaftliche Schieflage, die schließlich durch den Steuerzahler aufgefangen werden musste. Grundsätzlich könnte man bei einer hohen NPL-Quote also davon ausgehen, dass die Sparkassen bereitwillig Kredite vergeben, selbst wenn die Rückzahlung nicht gesichert ist. Damit spricht ein entsprechend hoher Wert in gewisser Hinsicht tatsächlich für die Raffgier der Kreditgeber, denn bei schwacher Bonität verlangt die Bank in der Regel einen entsprechend hohen Zins.

Ein hoher Anteil an notleidenden Krediten könnte aber auch auf eine besonders vorsichtige Bewertungspolitik der Kreditinstitute hinweisen. Vielleicht nutzt man alle Spielräume bei den Wertberichtigungen aus, die ein Finanzinstitut zur Bewertung ihrer ausstehenden Forderungen gegenüber ihren Kunden hat. Das Handelsgesetzbuch steckt bei der Beurteilung von ausstehenden Krediten einen bestimmten Rahmen ab. Diesen Rahmen darf jedes Finanzinstitut nutzen. Allerdings greifen die Spielräume in beide Richtungen. Wenn eine Sparkasse heute schon finanzschwach aufgestellt ist, darf sie die Abschreibungen auf wackelnde Kredite auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. In einem Jahr, in dem sie sehr hohe Gewinne ausweist, darf sie mehr faule Kredite deklarieren. Aus dieser Wertberichtigung ergibt sich ein unmittelbarer Einfluss auf den steuerpflichtigen Jahresgewinn. Wenn ein Unternehmen nämlich einen hohen Anteil an notleidenden Krediten abschreibt, sinkt damit der zu versteuernde Gewinn und somit die Steuerlast. Die NPL-Quote ist also letztlich ein cleveres Finanzinstrument, das die Banken ganz legal nutzen können, um ihren steuerpflichtigen Gewinn und ihre Steuerzahlung zu beeinflussen. Vor diesem Hintergrund hat ein hoher Anteil an faulen Krediten also Nachteile, er hat aus Sicht der Bank aber auch Vorteile.

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Beurteilung der Sparkassen nur im Gesamtkontext

Die NPL-Quote sollte nach Ansicht von Experten niemals als alleiniges Instrument für die Beurteilung der Finanzkraft einer Bank verwendet werden. Weitaus sinnvoller ist es, weitere Geschäftszahlen heranzuziehen und die Regularien der Kreditvergabe genauer zu untersuchen.

So kann eine hohe NPL-Quote durchaus auf eine aktive und wirtschaftsfördernde Kreditvergabe schließen lassen. Es ist der öffentliche Auftrag der Sparkassen, die gesamte Bevölkerung und vor allem den Mittelstand mit Krediten zu versorgen. Wenn also eine Sparkasse in einem wirtschaftsstarken Umfeld dieser Aufgabe nachkommt und einen hohen Anteil an Firmenkrediten vergibt, entsteht dadurch zwangsläufig ein höheres Risiko, dass solche Kredite platzen können. Dies gilt umso mehr, wenn Finanzierungen an kleine und mittelständische Unternehmen vergeben werden, die leichter in finanzielle Schwierigkeiten geraten können. Von den Verantwortlichen des Sparkassenverbands hört man dann auch, dass die Banken im Grunde noch viel mehr Kredite vergeben müssten, weil dies ihrer wirtschaftlichen Aufgabe entspricht. Vor diesem Hintergrund sind ein hoher Anteil an faulen Krediten und insbesondere eine hohe NPL-Quote also nicht grundsätzlich ein Anzeichen für eine leichtfertige Kreditvergabe oder sogar für die Raffgier der Bankberater. Vielmehr ist die Situation immer unter Berücksichtigung aller wirtschaftlichen und finanziellen Aspekte zu beurteilen, bevor man eine eindeutige und voreilige Meinung fällt.

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